0815design

    webdesign    grafikdesign    industriedesign
kundenlogin   Home   

Presse

Parkhaus Messe Essen (WAZ)

Fiat Arca (Arbitare)

Ford Ka (Auto Zeitung)

Lancia Vincenzo (Auto Zeitung)

Fiat ScootR (Moto Revue)

Schliessen

DESIGN: Studie "Vincenzo"
Zurück in die Zukunft
Lancia ließ Nachwuchsdesigner neue Ideen für Luxuswagen ausbrüten. Zwei Studenten aus Essen blickten zurück und sahen die Zukunft: Ihre Studie verbindet die Form von vorgestern mit der Technik von übermorgen


Mir wäre es lieber, die Reise von Barcelona nach Paris würde 200 Jahre dauern statt 20 Stunden mit dem Zug“, soll Salvador Dali gesagt haben. Nicht, dass er nie in Paris ankommen wollte. Aber der Weg dorthin war für ihn bereits das eigentliche Ziel: reisen, um unterwegs zu sein, und nicht, um schnellstmöglich an einen anderen Ort zu gelangen.

Diese Einstellung von gestern ist für die Designstudenten Georg Godde und Holger Maninger das Motto von morgen. Der wahre Luxus besteht für sie nicht darin, mit einer 400 PS starken Sportlimousine im Höchsttempo von Termin zu Termin zu hetzen, sondern sich abzukoppeln, stressfrei und mit Muße über Land zu fahren wie Goethe auf seiner italienischen Reise. Ihre Studie „Vincenzo“ gleicht eher einer Sciencefiction-Kutsche ohne Pferde als einem Pkw. Es ist ein rollender Salon, angetrieben von einer Brennstoffzelle, gelenkt von einem Autopiloten. Der Fahrer ist arbeitslos – ein satellitengesteuertes Leitsystem dirigiert das Auto garantiert unfallfrei ans Ziel. Dadurch erübrigen sich Gurte, Airbags und Knautschzonen. Die Passagiere können vis-à-vis wie in einem Eisenbahnabteil Platz nehmen. Die großen Fensterflächen lassen sich auf Knopfdruck verdunkeln. So gewähren sie wahlweise Panoramablicke oder Intimität.

Multimedia-Systeme mit ins Dach integrierten Klappmonitoren sorgen für Kurzweil an Bord. Die Sessel lassen sich durch eine elektromagnetische Fixierung frei im Raum bewegen. Lederpolster und Parkettboden schaffen Wohnzimmeratmosphäre im Passagierabteil. Doch unter dem nostalgisch geformten Wagenkörper spielt Zukunftsmusik. Der Aufbau ruht auf einem Alu-Spaceframe-Rahmen, dessen Sandwichboden die komplette Antriebs- und Steuerungstechnik aufnimmt.



Drive-by-wire-Technologie macht’s möglich. Motor, Lenkung, und Bremsen werden vollelektronisch gesteuert. Die vor kurzem von General Motors präsentierte Konzeptstudie „AUTOnomy“ mit Wasserstoffantrieb (siehe Heft 7/2002) lieferte die Blaupause für die technische Umsetzung. Das Rahmenchassis gibt den Karosseriegestaltern künftig jenen Freiraum für individuelle Aufbauten zurück, den sie mit Einführung der selbsttragenden Karosserie scheinbar endgültig verloren hatten. Pikantes Detail am Rande: Vincenzo Lancia war es, dem mit dem Modell Lambda 1922 ein entscheidender Schritt zur Verschmelzung von Karosserie und Fahrgestell und damit zum modernen Großserienbau gelang. Nach seinem Vornamen benannten die Essener Studenten auch ihren Entwurf.

Position und Ausführung der Räder stellen eine weitere Besonderheit der Studie dar. Nach einer Idee des Schweizer Exzentrikers Franco Sbarro entwarfen Godde und Maninger Räder, deren offene Felgen kufenartig ausgebildet sind. Radaufhängung, Antrieb und Federung übernehmen Monoblock-Elemente an Auslegerarmen der Spaceframe-Konstruktion. Selbst für Details ließen sich die Essener Studenten gewagte Lösungen einfallen. Damit sie von der Grundform der Karosserie nicht ablenken, sind alle Leuchteneinheiten gut versteckt. Die Scheinwerfer verbergen sich an der Frontseite des Rahmens, die Rückleuchten sitzen als Lichtpunkte in den Falten am Heck.

Die Blinker sind als runde Leuchtbänder in die Räder integriert. Über die Realisierbarkeit ihrer Ideen geben sich die Jungdesigner keinen Illusionen hin. „So etwas ist frühe-stens in 20 Jahren darstellbar“, ahnt Georg Godde, „aber für eine Designstudie muss man sehr weit vorausdenken, wenn sie Einfluss auf die nähere Zukunft haben soll.“ Ob die Marke Lancia noch existiert, wenn vollautomatisch gesteuerte „Kutschen“ Wirklichkeit werden, steht in den Sternen. Derzeit versucht die Nobelmarke von einst ein Comeback auf konservative Art mit dem Thesis, einer barock gezeichneten Stufenhecklimousine. Deren Schöpfer, Designchef Mike Robinson, zeigte sich vom futuristischen „Vincenzo“ beeindruckt und gab einen klaren Rat: „Nicht träumen, einfach machen.“

Karsten Rehmann

DESIGN: Studie "Vincenzo"

Wie einst das Wappen des Kutschenbesitzers prangt das Lancia-Emblem an der hinteren Dachsäule (linke Abb.)

In der Heckansicht werden die breite Spur und der tiefe Schwerpunkt deutlich (rechte Abb.)



Wie bei einem Zug schwingen die Türen zur Seite auf. Lenkrad und Pedale sind überflüssig.
Das Navigationssystem wird per Fernbedienung aktiviert



Salonabteile und Chauffeurwagen
dienten als Vorbild.




Der Fond eines Bugatti T41 Royale Coupé de Ville, rechts und unten der Innenraum des "Vincenzo"