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DESIGN: Studie "Vincenzo"
Zurück in die Zukunft
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Lancia ließ
Nachwuchsdesigner neue Ideen für Luxuswagen ausbrüten.
Zwei Studenten aus Essen blickten zurück und sahen die
Zukunft: Ihre Studie verbindet die Form von vorgestern
mit der Technik von übermorgen
Mir wäre es lieber, die
Reise von Barcelona nach Paris würde 200 Jahre dauern
statt 20 Stunden mit dem Zug“, soll Salvador Dali gesagt
haben. Nicht, dass er nie in Paris ankommen wollte. Aber
der Weg dorthin war für ihn bereits das eigentliche
Ziel: reisen, um unterwegs zu sein, und nicht, um
schnellstmöglich an einen anderen Ort zu gelangen.
Diese Einstellung von gestern ist für die
Designstudenten Georg Godde und Holger Maninger das
Motto von morgen. Der wahre Luxus besteht für sie nicht
darin, mit einer 400 PS starken Sportlimousine im
Höchsttempo von Termin zu Termin zu hetzen, sondern sich
abzukoppeln, stressfrei und mit Muße über Land zu fahren
wie Goethe auf seiner italienischen Reise. Ihre Studie
„Vincenzo“ gleicht eher einer Sciencefiction-Kutsche
ohne Pferde als einem Pkw. Es ist ein rollender Salon,
angetrieben von einer Brennstoffzelle, gelenkt von einem
Autopiloten. Der Fahrer ist arbeitslos – ein
satellitengesteuertes Leitsystem dirigiert das Auto
garantiert unfallfrei ans Ziel. Dadurch erübrigen sich
Gurte, Airbags und Knautschzonen. Die Passagiere können
vis-à-vis wie in einem Eisenbahnabteil Platz nehmen. Die
großen Fensterflächen lassen sich auf Knopfdruck
verdunkeln. So gewähren sie wahlweise Panoramablicke
oder Intimität.
Multimedia-Systeme mit ins Dach
integrierten Klappmonitoren sorgen für Kurzweil an Bord.
Die Sessel lassen sich durch eine elektromagnetische
Fixierung frei im Raum bewegen. Lederpolster und
Parkettboden schaffen Wohnzimmeratmosphäre im
Passagierabteil. Doch unter dem nostalgisch geformten
Wagenkörper spielt Zukunftsmusik. Der Aufbau ruht auf
einem Alu-Spaceframe-Rahmen, dessen Sandwichboden die
komplette Antriebs- und Steuerungstechnik aufnimmt.
Drive-by-wire-Technologie macht’s
möglich. Motor, Lenkung, und Bremsen werden
vollelektronisch gesteuert. Die vor kurzem von General
Motors präsentierte Konzeptstudie „AUTOnomy“ mit
Wasserstoffantrieb (siehe Heft 7/2002) lieferte die
Blaupause für die technische Umsetzung. Das
Rahmenchassis gibt den Karosseriegestaltern künftig
jenen Freiraum für individuelle Aufbauten zurück, den
sie mit Einführung der selbsttragenden Karosserie
scheinbar endgültig verloren hatten. Pikantes Detail am
Rande: Vincenzo Lancia war es, dem mit dem Modell Lambda
1922 ein entscheidender Schritt zur Verschmelzung von
Karosserie und Fahrgestell und damit zum modernen
Großserienbau gelang. Nach seinem Vornamen benannten die
Essener Studenten auch ihren Entwurf.
Position
und Ausführung der Räder stellen eine weitere
Besonderheit der Studie dar. Nach einer Idee des
Schweizer Exzentrikers Franco Sbarro entwarfen Godde und
Maninger Räder, deren offene Felgen kufenartig
ausgebildet sind. Radaufhängung, Antrieb und Federung
übernehmen Monoblock-Elemente an Auslegerarmen der
Spaceframe-Konstruktion. Selbst für Details ließen sich
die Essener Studenten gewagte Lösungen einfallen. Damit
sie von der Grundform der Karosserie nicht ablenken,
sind alle Leuchteneinheiten gut versteckt. Die
Scheinwerfer verbergen sich an der Frontseite des
Rahmens, die Rückleuchten sitzen als Lichtpunkte in den
Falten am Heck.
Die Blinker sind als runde
Leuchtbänder in die Räder integriert. Über die
Realisierbarkeit ihrer Ideen geben sich die Jungdesigner
keinen Illusionen hin. „So etwas ist frühe-stens in 20
Jahren darstellbar“, ahnt Georg Godde, „aber für eine
Designstudie muss man sehr weit vorausdenken, wenn sie
Einfluss auf die nähere Zukunft haben soll.“ Ob die
Marke Lancia noch existiert, wenn vollautomatisch
gesteuerte „Kutschen“ Wirklichkeit werden, steht in den
Sternen. Derzeit versucht die Nobelmarke von einst ein
Comeback auf konservative Art mit dem Thesis, einer
barock gezeichneten Stufenhecklimousine. Deren Schöpfer,
Designchef Mike Robinson, zeigte sich vom futuristischen
„Vincenzo“ beeindruckt und gab einen klaren Rat: „Nicht
träumen, einfach machen.“
Karsten Rehmann
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